MCP Basics: Sichtlinie

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Marvel Crisis Protocol - Cover Art

Willkommen zur ersten Ausgabe der Basics-Reihe für Marvel Crisis Protocol. Eine Artikelreihe, in der ich mich Regeln und Mechaniken des Spiels widme, die oft falsch interpretiert oder verstanden werden. Mit Beiträgen in dieser Reihe versuche ich, diese Regelunklarheiten leicht verständlich zu erklären und somit Euren Spielfluss zu verbessern.

Anfangen werde ich mit einem Thema, das nicht selten zu Diskussionen und Verwirrung führen kann: Die Bestimmung der Sichtlinie zwischen zwei Charakteren.

Vorab ist es wichtig zu klären, dass jeder Charakter und jedes Geländestück in Marvel Crisis Protocol eine fest zugeschriebene Größe besitzt. Zusätzlich benutzt MCP ein 2D-System auf einem 3D-Spielfeld. Dies wird jedoch nicht in den Regeln explizit erwähnt und sorgt deshalb oft für fragende Gesichter bei den Spielern.

Im Klartext: Marvel Crisis Protocol verwendet keine reale Sichtlinie (True Line of Sight) wie andere Tabletopsysteme, sondern eine 2D-Ansicht von oben herab.

Kommen wir nun zum eigentlichen Thema dieses Artikels:

Sichtlinie bestimmen

„Sichtlinie besteht dann, wenn ein Charakter eine unbeeinträchtigte Linie von einem beliebigen Teil seiner Base zu einem beliebigem Teil der Base des Zielcharakters ziehen kann. Ein Charakter hat immer Sichtline zu sich selbst.“ (LoS, Seite 22 im Regelbuch)

So viel zum Regeltext. Was bedeutet dies in der Praxis?

Um das zu klären, müssen wir uns Schritt für Schritt durch eine kleine Checkliste arbeiten. Ein paar Voraussetzungen gibt es vorher aber noch zu erläutern:

Denn es gilt:

  • Charaktere, auch wenn diese größer sind als die interagierenden Charaktere, können niemals die Sichtlinie blockieren.
  • Das Gelände, auf dem sich der angreifende Charakter bzw. der Charakter, von dem aus versucht wird eine Sichtlinie zu ziehen, befindet, wird immer ignoriert.

Da diese beiden Punkte nun abgehandelt wurden, wenden wir uns dem komplizierteren Teil. Wie wir anfangs festgestellt haben, muss der Charakter, der Sichtlinie bestimmen möchte, eine unbeeinträchtigte Linie von einem Teil seiner Base zu einem Teil der Base des Ziels ziehen können.

Das bedeutet, wir müssen klären, wie die Sichtlinie beeinflusst werden kann.

  • Generell gilt immer: Die Größe des angreifenden Charakters bzw. des Charakters, der versucht eine Sichtlinie zu bestimmen, wird ignoriert. Es zählt nur die Größe des Ziel-Charakters sowie die Größe etwaiger Geländestücke zwischen den beiden Charakteren.
  • Steht der Ziel-Charakter auf einem Geländestück, so wird seine Größe mit der des Geländestückes addiert. Dies ist wichtig, wenn Geländestücke die Sichtlinie beeinträchtigen würden, die größer als die eigentliche Größe des Ziel-Charakters sind, jedoch kleiner als die kombinierte Größe des Charakters und des Geländestückes, auf dem er sich befindet.

Hierzu ein kleines Beispiel:

Steht ein Größe 2 Charakter auf einem Größe 2 Geländestück, hat dieser eine neue, kombinierte Größe von 4. Dies würde bedeuten, dass selbst Größe 3 oder 4 Geländestücke die Sichtlinie eines gegnerischen Charakters auf diesen nicht blockieren würde.

Steht hingegen ein Größe 2 Charakter hinter einem Größe 3 Geländestück, blockiert dieses Geländestück die Sichtlinie auf diesen Charakterda dies größer ist als der Charakter selbst.

Da wir uns nun dieses Vorabwissen angeeignet haben, können wir uns weiter durch die Liste arbeiten. Es stellt sich jetzt die Frage: Wann kann eine Sichtlinie erfolgreich hergestellt werden und wann nicht?

  • Befindet sich ein Geländestück, das gleich groß oder kleiner als der Ziel-Charakter ist, zwischen den beiden Charakteren, kann erfolgreich eine Sichtlinie hergestellt werden.
  • Befindet sich ein Geländestück, das größer ist als der Ziel-Charakter, zwischen den beiden Charakteren, so wird die Sichtlinie blockiert.

Sind alle diese Punkte geklärt, sollte sich problemlos herausfinden lassen, ob ein Charakter zu einem anderen Charakter eine Sichtlinie herstellen kann.

Um die einzelnen Aspekte einmal kurz zu wiederholen und übersichtlicher zu gestalten, werde ich alle angesprochenen Punkte in der am Anfang erwähnten Liste zusammen fassen. So kann man sich schnell einen Überblick verschaffen, wenn es um das Thema Sichtlinie geht.

  1. Größe sowie etwaige Geländestücke, auf dem sich der Charakter befindet, der die Sichtlinie ziehen will, werden ignoriert.
  2. Charaktere blockieren niemals Sichtlinie.
  3. Der Charakter muss eine unbeeinträchtigte Linie von einem Teil seiner Base zu einem Teil der Base des Ziel-Charakters ziehen können.
  4. Befindet sich ein Geländestück, das größer ist als der Ziel-Charakter zwischen den beiden interagierenden Charakteren, kann keine Sichtlinie hergestellt werden.
  5. Ist der Ziel-Charakter größer als etwaige Geländestücke zwischen ihm und dem Charakter, der versucht eine Sichtlinie zu ziehen, so kann erfolgreich eine Sichtlinie hergestellt werden.
  6. Die Größe des Geländestückes, auf dem sich der Ziel-Charakter befindet, wird mit seiner Größe zu einem neuen Wert addiert. Der neue Größenwert könnte es nun ermöglichen, Sichtlinie auf diesen Charakter zu ziehen.

Fähigkeiten, die mit der Sichtlinie interagieren

Einige Charaktere besitzen Superkräfte bzw. einige Taktikkarten ermöglichen es, Einfluss auf die Sichtlinie zu nehmen. In diesem Abschnitt werde ich kurz auf einige dieser Fähigkeiten und ihre Interaktion eingehen.

Heores for Hire, Lethal Protector, Bodyguards & Taunts

Diese Fähigkeiten haben eine Sache gemeinsam: Sie erlauben das Ziel eines Angriffs neu zu bestimmen. Normalerweise wird der Charakter, der diesen Effekt auslöst, das neue Ziel.

Wichtig bei diesen Fähigkeiten ist der kleine Regeltext, der besagt:

Das neue Ziel wird unabhängig von der Sichtline oder Reichweite des Angriffs bestimmt.“

Dies bedeutet, der Charakter kann sich nicht hinter einem größeren Geländestück verstecken. Sollte eine Umpositionierung durch einen dieser Effekte ermöglicht werden, kann sich der Charakter auch nicht aus der Reichweite des Angriffs bewegen. Jedoch kann der Charakter von Deckung profitieren – zu Deckung wird es in naher Zukunft einen eigenen Artikel in dieser Reihe geben.

Trickster, You can’t catch me, Lifesaver & Escort to Safety

Diese Superkräfte oder Fähigkeiten erlauben eine sofortige Umpositionierung des Ziel-Charakters, sollte dieser Ziel eines Angriffs werden.

Durch diese Umpositionierung kann ein Spieler versuchen, seinen Charakter so zu stellen, dass er hinter einem größeren Geländestück steht. Auch wenn der Charakter sich immer noch in der Reichweite des Angriffs befindet, so kann der angreifende Charakter keine Sichtlinie durch das größere Geländestück mehr ziehen.

Hierzu ein Beispiel: Befindet sich der Ziel-Charakter eines Angriffs auf einem Größe 3 Geländestück, der angreifende Charakter jedoch nicht, wäre es dem Ziel-Charakter möglich, sich aufgrund dieser „Ausweichfähigkeiten“ so zu bewegen, dass sich das Geländestück zwischen ihm und dem Angreifer befindet. Somit hat der Angreifer keine legitime Sichtlinie mehr.

Angriffe, die Sichtlinie ignorieren

Es gibt einige, wenige Angriffe, die keine Sichtlinie benötigen. Die bekanntesten sind die Schildwürfe der beiden Captain Americas sowie Taskmaster. Ignoriert ein Angriff die Sichtlinie, so werden alle im Artikel angesprochenen Punkte ignoriert.

Sofern der Ziel-Charakter in Reichweite des Angriffs ist, kann dieser ausgeführt werden, auch wenn der Ziel-Charakter sich hinter Gelände befindet, das größer ist als er selbst.

Beam- & Flächenangriffe

Beam- und Flächenangriffe verursachen oft Komplikationen, Verwirrung und Diskussionen zwischen den Spielern – um ehrlich zu sein so viel, dass ich einen eigenen Artikel über diese Form des Angriffs schreiben werde.

In diesem Teil geht es lediglich darum, wie Beam- und Flächenangriffe mit der Sichtlinie interagieren.

Die Antwort ist denkbar einfach: Auf die selbe Art und Weise wie normale Angriffe.
Ziele, auf die der ausführende Charakter eines Beam- oder Flächenangriffs, keine Sichtline hat, können nicht getroffen werden.

So kann z. B. ein Beam-Angriff von Vision – er besitzt einen Beam mit Reichweite 4 – einen gegnerischen Charakter der Größe 2, vor einem Geländestück der Größenkategorie 3 treffen, jedoch nicht zusätzlich einen gegnerischen Charakter der Größe 2 hinter diesem Geländestück, obwohl dieser Charakter sich möglicherweise unter der Schablone des Angriffs befindet. Das Geländestück ist mit einer Größe 3 größer als der Charakter, der sich dahinter befindet. Somit kann Vision zu diesem Charakter keine Sichtline ziehen.

Sichtline hat keinen so großen Stellenwert in MCP wie in einigen anderen Tabletopsystemen. Es lohnt sich jedoch einen Blick auf das Spielfeld und die Größen der vorhandenen Geländestücke zu werfen. Somit werden eventuell einige Szenarien ermöglicht, in denen es Euch gelingt, Eure Charaktere durch das Blockieren der Sichtline zu schützen.

Das war ein ganzer Batzen Theorie. Danke, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt, mit mir eine kleine Regeltheoriestunde abzuhalten. Ich hoffe, ich konnte Euch das Thema Sichtline ein wenig vereinfachen, so dass nun keine Verwirrung mehr auf dem Spieltisch aufkommt.

Bis zum nächsten Mal.

Cheers, Skol und Prost Euer Bärtiger Stratege

Bild: Atomic Mass Games

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