Fatal Reflection: Prysm & Sì

HexaDome Legends - Fatal Reflection

Eine Athletin, die sich selbst anstrahlt, und ein alter Mann mit Sonnenschirm.

🎙️ VINCE McMAHOGANY: Sie hat in der alten Liga jeden gezwungen, auf sie einzuschlagen, meine Damen und Herren, und sie hat es GENOSSEN! Und neben ihr steht ein Herr im Rentenalter, der sich nicht einmal die Mühe macht, den Schirm wegzulegen, bevor er Sie aufschlitzt. Nicht blinzeln, sonst steht er schon neben Ihnen!

Die dritte Erweiterung für Infinity: HexaDome Legends heißt Fatal Reflection und bringt Prysm und Sì mit. Corvus Belli hat sie am 2. Oktober in der Keynote auf dem Krug 2026 in Denver gezeigt. Damit wächst das Feld von zwölf auf vierzehn Charaktere. Wieder eine Rückkehrerin und ein Neuzugang, das dritte Mal nach demselben Muster.

HexaDome Legends - Fatal Reflection
Fatal Reflection, die dritte Erweiterung für HexaDome Legends.

Was in der Box liegt

Das Produktbild zeigt denselben Inhalt wie bei den beiden Vorgängern: zwei zusammengebaute Miniaturen, zwei Charakterkarten, ein Kartenstapel, Marker und Initiativkarten. Nach dem Muster der ersten beiden Boxen sind das acht Taktikkarten, also vier je Charakter, von denen zwei verdeckt ins Deck wandern.

Preis und Liefertermin stehen nicht fest. Cold Blood kostet auf der offiziellen Seite 30 Euro, und bei gleichem Inhalt liegt derselbe Preis nahe. Wie weit die Box noch weg ist, zeigt eine andere Lücke: Dort fehlt bis heute auch Rotten Luck, die zweite Erweiterung.

Die acht Taktikkarten sind noch nicht zu sehen. Das ist der schwerste Vorbehalt zu allem, was unten steht: Bei Wild Bill und Wisteria haben genau diese Karten die Einschätzung verschoben, bei Wild Bill sogar in die Gegenrichtung.

Prysm: die Rückkehrerin

Priscilla stammt vom Eisplaneten Svalarheima, war dort Leichtathletikmeisterin auf allen Ebenen und stand irgendwann ohne Gegner da. Als der Megakonzern Ypsilon Auswahlprüfungen für seine neue Championin ankündigte, trat sie an und gewann. Ihr Vertrag enthält eine Klausel: Nimmt sie Wild Bill den Titel des Bahadur ab, bekommt sie einen Hochleistungs-Lhost. Ihr Ehrgeiz zielt nicht auf einen Pokal, sondern auf einen Schritt Richtung Unsterblichkeit. Wir haben sie 2026 ausführlich porträtiert.

Nebenbei dürfte der Name der Box von ihr kommen. In Aristeia! trug Prysm eine Taktikkarte namens Reflection, Nummer 102, die ohne Wurf und ohne Aktionspunkt einen Schaden an alle Gegner in Reichweite 1-2 verteilte. Beweisen lässt sich die Anspielung nicht, aber eine Erweiterung mit ihr im Titel heißt selten zufällig so.

HexaDome Legends - Prysm
Prysm im Legends-Layout: Charakterkarte und Miniatur.

Vier Lebenspunkte, Initiative 7, Bewegung 5. Agility Orange und Gelb, Brawn Blau und Gelb, Defense Grün und zweimal Schwarz. Sieben Attributwürfel sind mehr, als jeder bisherige Charakter mitbringt; den Rekord hielt hEXx3r mit sechs.

Diese Zahl ist trotzdem die unwichtigste auf der Karte, und das liegt an einer Zeile ganz unten.

Dazzling Presence: zwei Verteidigungswerte in einer Figur

Prysm hat zwei Verteidigungssätze. Gedruckt steht Grün, Schwarz, Schwarz. Dazzling Presence ersetzt das durch Grün, Blau, Gelb, solange sie markiert ist. Und Guiding Light markiert sie zu Beginn jeder ihrer Aktivierungen selbst. Der gedruckte Satz gilt damit nur in Runde 1, bevor sie das erste Mal dran war.

Der Unterschied ist größer, als die Blockzahl vermuten lässt:

gedruckt markiert
Blocks im Mittel2,1672,333
Spezial im Mittel1,0001,833
Taunt-Switch fällt in66,7 %91,7 %
Erfolg streichen (zwei Spezial)25,9 %63,9 %

Die Blocks steigen um 7,7 %, und das ist nebensächlich. Was sich verdoppelt, ist die Spezial-Ausbeute, und Spezial ist die Währung ihrer beiden generellen Switches. Schwarz ist im Spiel der Block-Würfel mit drei Schildseiten und zwei Spezialseiten; Blau und Gelb liefern beides.

Ihr Taunt-Switch kostet Block und Spezial und setzt einem Gegner in Reichweite 1-3 den Zustand Taunted. Die Reichweite steht in einem roten Sechseck, gilt also ohne Sichtlinie. Weil generelle Switches in jedem Wurf greifen, taunted sie während sie angegriffen wird: Wer auf sie einschlägt, hängt danach in neun von zehn Fällen selbst am Haken.

📖 LYDIA VÁSQUEZ: Und jetzt der Vergleich, auf den es ankommt. In Aristeia! warf Prysm Grün, Gelb, Gelb und löste denselben Switch in 91,2 % ihrer Verteidigungswürfe aus. Ihr markierter Legends-Stand liegt bei 91,7 %. Das ist dieselbe Figur, nur anders gebaut: Was früher fest auf der Karte stand, muss sie sich jetzt jede Runde selbst geben. Alle Zahlen vollständig durchgezählt, 216 Ausgänge je Wurf, keine Simulation.

Dass die Zahl am Ende dieselbe ist, macht den Umbau nicht folgenlos. Er hängt ihre Verteidigung an eine Bedingung, und Bedingungen lassen sich angreifen. Pulsing Light schützt genau diese Stelle: Am Ende eines Angriffs gegen sie wird ihr Marked-Zustand nicht weitergeschaltet. Sie darf ihn freiwillig weiterschalten, um dem Angreifer dafür das Weiterschalten seines Taunted zu nehmen.

Die Passive, die in Aristeia! den Zwang zum Angriff erzeugte, ist in Legends also zu einer Schutz- und Tauschregel geworden. Das ist ein anderer Hebel am selben Thema.

Ihre einzige Aktion ist geblieben, was sie war. Gamma Radiation kostet 3 von 5 Aktionspunkten, reicht auf 1-3 und wirft Orange, Blau, Gelb für 1,667 Erfolge im Mittel. Ein Würfel je Aktionspunkt ist mittelmäßig: BeatBox kommt auf 0,67, Miyamoto Mushashi auf 1,50. Der Pool arbeitet ohnehin nicht am Schaden, sondern an ihren Switches: In 85,2 % der Würfe fällt ein Taunt mit ab, in 84,3 % der eingebaute Stun.

Haltbar ist sie dadurch beachtlich. Gegen die neun Angriffe des bisherigen Kaders nimmt sie markiert 0,423 Schaden je Treffer und hält rechnerisch 9,4 davon aus.

💅 RHOD BOZZO: Und jetzt reden wir über das Offensichtliche, Schatz. Das Artwork zeigt eine Frau, die den Raum einnimmt: Kristall, Pose, Licht, ein Auftritt. Die Miniatur daneben hockt mit hängenden Schultern auf einem Steinhaufen und schaut, als hätte ihr gerade jemand das WLAN abgestellt. Das ist nicht dieselbe Person. Das ist Ava aus Borderlands 3 nach einer durchwachten Nacht.

Die Beobachtung ist keine bloße Geschmacksfrage, weil die Figur gerade davon lebt, dass alle zu ihr hinsehen müssen. Eine Miniatur, die sich klein macht, erzählt vom Gegenteil dessen, was auf der Karte steht. Vor dem Kauf lohnt ein Blick auf ein bemaltes Exemplar. Unbemalter Graukunststoff ist bei duckenden Posen besonders undankbar.

Sì: der Neuzugang

Sì hat kein Aristeia!-Vorbild. Was über ihn bekannt ist, steht auf seiner Karte und im Artwork: ein älterer Mann mit Sonnenbrille, nacktem Oberkörper, Gebetskette, Papierschirm und einer Klinge, die er sich quer vors Gesicht hält.

HexaDome Legends - Sì
Sì im Legends-Layout: Charakterkarte und Miniatur.

Zwei Lebenspunkte, Initiative 8, Bewegung 5. Agility zweimal Orange, Brawn ein schwarzer Würfel, Defense Blau und Gelb.

Zwei Lebenspunkte sind der niedrigste Wert im Spiel, bisher geteilt von Afara und Gata. Initiative 8 ist der zweithöchste; schneller ist nur Gata mit 9. Er ist also fast immer vor dem Gegner dran und fällt um, sobald ihn jemand erwischt: Gegen den Durchschnittsangriff des Kaders hält er 2,0 Treffer aus.

Ubiquity ist die eigentliche Karte

Sudden Death kostet 2 AP, reicht nur auf 1-1 und wirft Orange, Orange, Gelb für 2,000 Erfolge. Ein Switch für einen einzelnen Block streicht dem Ziel einen Block, und ohne Switch darf er den Marked-Zustand des Ziels weiterschalten, um einen Würfel aus dessen Wurf zu nehmen.

Interessant wird es bei Ubiquity, einem Skill für 3 AP auf Reichweite 1-4 mit nur zwei Würfeln. Er trägt zwei Switches:

  • Ein Spezial setzt ihn neben sein Ziel. Fällt in 88,9 % der Würfe.
  • Ein Erfolg führt am Ende der Aktion Sudden Death gegen dasselbe Ziel aus, ohne Aktionspunkte. Fällt in 77,8 %.
  • Beide zusammen fallen in 72,2 % der Würfe.

Damit geht eine Rechnung auf, die sonst nicht aufginge. Sì hat 5 Energie. Ubiquity kostet 3, Sudden Death 2 — zusammen genau seine Aktivierung, und das ergäbe einen Sprung und einen Angriff. Fällt der Erfolgs-Switch, ist der Angriff umsonst, und die zwei gesparten Punkte reichen für einen zweiten. Im Mittel kommt er so auf 1,78 Angriffe je Aktivierung statt auf einen.

🥊 FINALBOSS: Ohohoooo!!! Vier Felder weit, einfach so, und dann steht der Opa neben dir und holt zweimal aus. Zu meiner Zeit musste man noch hinlaufen. Da war das Schlimmste am Nahkämpfer der Weg, den er brauchte. Dieser hier hat keinen Weg.

Exploit the Wound macht aus dem Sprung eine Hinrichtung

Seine Passive gibt ihm einen zusätzlichen Erfolg auf alle Würfe, wenn sein Ziel zwei oder mehr Wunden hat. Nicht auf den Angriff, auf alle.

Das ist der Unterschied zwischen einem mittelmäßigen und einem bedrohlichen Profil:

unbeschädigtes Ziel Ziel mit 2 Wunden
Sudden Death, Erfolge2,0003,000
Schaden im Mittel über den Kader0,781,52
Ubiquity, beide Switches72,2 %88,9 %

Gegen ein angeschlagenes Ziel legt er 93,5 % Schaden zu, und gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er überhaupt hinkommt und zweimal zuschlägt. Er ist kein Charakter, der ein Duell eröffnet. Er ist der, den man schickt, wenn der Gegner schon blutet.

Dazu passt der Rest der Karte. Sein genereller Switch streicht ein beliebiges Symbol beim Ziel, und Ubiquity nimmt nebenbei einen Zustand vom Ziel oder markiert es. Markieren ist dabei kein Gefallen: Ein markiertes Ziel darf ohne Sichtlinie angegriffen werden, und sein eigener Dauereffekt auf Sudden Death frisst den Marker, um dem Ziel einen Verteidigungswürfel zu nehmen.

💅 RHOD BOZZO: Bei ihm stimmt es dagegen, Schatz, und wie. Takeshi Kitano in Sandalen, mit Schirm und schlechter Laune. Die Miniatur hat jede Linie des Artworks mitgenommen, bis zum Sitzen auf den Betonblöcken. Zwei Figuren in einer Box, und nur eine davon sieht aus wie ihr Bild. Das muss man erst mal hinkriegen.

Was das mit dem Feld macht

Die beiden greifen dasselbe Thema von zwei Seiten an, und das ist bei dieser Box deutlicher als bei den beiden davor.

Prysm zwingt den Gegner, auf sie zu schießen, und wird dabei härter: Markiert liegt ihre Taunt-Quote bei 91,7 %, jeder Angriff auf sie erzeugt den nächsten Haken. Ihr Problem ist, dass sie selbst kaum Schaden macht. Ein Team mit ihr gewinnt, indem der Gegner seine Aktivierungen an der falschen Figur verbraucht.

Sì macht das Gegenteil. Er hält nichts aus, steht fast immer zuerst auf der Leiste und sucht sich das Ziel, das schon beschädigt ist. Ein Kader, dessen Schaden sich bisher auf Wild Bill und Miyamoto Mushashi verteilte, bekommt damit den ersten Spezialisten fürs Nachsetzen.

Zusammen ergeben sie eine unangenehme Arbeitsteilung: Prysm sammelt die Treffer und verteilt Taunts, Sì räumt ab, was danach übrig ist. Ob das in der Praxis trägt, hängt an einer Frage, die keine der beiden Karten beantwortet — ob Sì mit zwei Lebenspunkten lange genug steht, um zweimal dranzukommen.

Für den Rest des Feldes bedeutet die Box vor allem, dass Initiative wieder teurer wird. Mit Gata, Afara und Sì stehen künftig drei Charaktere bei 8 oder 9, und wer die Reihenfolge diktieren will, hat eine Figur mehr, an der er vorbeimuss.

Wie es weitergeht

Zu Prysm und Sì folgt je ein eigener Artikel, sobald die Taktikkarten vorliegen. Bei Wild Bill und Wisteria haben genau diese vier Karten die Einschätzung verschoben, und bis sie auf dem Tisch liegen, ist jedes Urteil über die beiden ein Zwischenstand.

Bis dahin: Der Würfelrechner kennt alle Würfel, die hier vorkommen. Wer nachsehen will, was Orange, Blau und Gelb in Prysms markierter Verteidigung tatsächlich anstellen, kann das dort durchspielen.


Bilder & Karten: Corvus Belli

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