Zwölf Fragen an Corvus Belli, zwölf Antworten. Vier davon stehen in keinem Regelheft.
🎙️ VINCE McMAHOGANY: Meine Damen und Herren, heute keine Vorstellung, heute das Kleingedruckte! Zwölf Streitfälle, zwölf Urteile, und alle aus erster Hand! Wer wissen will, ob ein Blinder ein markiertes Ziel trifft, wer sich fragt, ob BeatBox wirklich fremde Körper fernsteuert, und wer bis heute geglaubt hat, Afara sei eine Dame: Bleiben Sie dran, es wird unbequem!
📖 LYDIA VÁSQUEZ: Kurz zur Einordnung. Die Antworten stammen von Jesús Fuster bei Corvus Belli, per E-Mail, im September 2026. Das ist keine veröffentlichte FAQ, und genau darin liegt der Wert: Vier dieser Punkte stehen in keinem Regelheft, und drei klären Fälle, in denen zwei Regeln aneinandergeraten.
Zustände
Marked hebt Blinded auf
Blinded macht ferne Ziele unangreifbar, Marked macht unsichtbare Ziele angreifbar. Was passiert, wenn beides zusammentrifft?
Frage: „With the changes to Blinded, does this mean a Blinded character can no longer attack a Marked target more than 1 space away? Or does this interaction still work as it does in Aristeia!?“
Antwort: „You can attack a Marked target as Marked state ignores LdV.“
Ja, er kann. Der Grund steht im Reference Guide auf Seite 40, und er hängt an einem einzigen Halbsatz. Blinded wirkt nämlich nicht auf die Reichweite, sondern auf die Sichtlinienprüfung:
„When checking line of sight, targets further than Range 0-1 are not valid targets.“
Marked setzt genau dort an:
„Ranges of actions and effects for which you are not a valid target due to LoS are considered valid.“
Wer markiert ist, ist also nicht mehr „wegen Sichtlinie ungültig“. Damit fällt die einzige Bedingung weg, über die Blinded überhaupt greift.
Praktisch heißt das für BeatBox: Wer ihn ausschalten will, muss ihn blenden, bevor er markiert hat. Danach schießt er weiter. Gata mit Initiative 9 gegen seine 6 hat dafür meistens die Gelegenheit, aber eben nicht immer.
Taunted zwingt nur auf ein gültiges Ziel
Der zweite Fall ist ein Widerspruch zwischen zwei Zuständen. Taunted zwingt einen Charakter, den Verursacher anzugreifen. Blinded macht alles jenseits von Reichweite 1 zum ungültigen Ziel. Was, wenn der Verursacher weiter weg steht?
Frage: „If my character is both Blinded and Taunted, and the character who Taunted them is out of range, can I attack other valid targets?“
Antwort: „If the Character who Taunted them is out of range (0-1) then they’re not a valid target, so your Character does not have to attack them.“
Der Zwang läuft ins Leere, und der Betroffene darf andere Ziele angreifen. In HexaDome Legends kommt Taunted derzeit nur über eine einzige Karte, Maximus‘ I am inevitable. Die zieht ihre Opfer im selben Zug heran, und damit ergibt die Kombination Sinn: Erst der Zwang, dann die Reichweite, in der er auch wirkt.
BeatBox
Der übernommene Charakter bleibt er selbst
Hypnotic Pattern lässt BeatBox eine fremde Aktion ausführen. Die offene Frage war, ob der übernommene Charakter dabei seine eigenen Fähigkeiten behält.
Frage: „Do the target’s passive abilities remain active while it is under Beatbox’s control? And how are Switches resolved for the action performed under his control?“
Antwort: „Yes, they do. Switches are resolved as if the target’s the active character.“
Beides zusammen ist deutlich mehr, als es klingt. Die Passiven bleiben aktiv, und die Switches werden aufgelöst, als wäre der Übernommene selbst am Zug. BeatBox steuert also keine leere Hülle, sondern den vollständigen Charakter.
Der dazugehörige Streitfall wurde gleich mitgeklärt.
Frage: „Beatbox uses Hypnotic Patterns Tactic and chooses to use it on enemy Miamoto. Beatbox pays 3 APs and declares attack action ‚Ken No Seb‘ with Miamoto against adjacent Gata. During the switches phase of the face to face roll, Miamoto uses his switches first, and spends two !! to do Tai Tai No Sen. Is it legal?“
Antwort: „Yes“
Auf Deutsch: BeatBox übernimmt einen gegnerischen Miyamoto, zahlt drei Aktionspunkte und lässt ihn einen Angriff gegen eine angrenzende Gata ansagen. In der Switch-Phase gibt Miyamoto zuerst zwei Spezial für Tai Tai No Sen aus.
Das ist bemerkenswert, weil der Angriff damit teilweise gegen den Willen dessen läuft, der ihn bezahlt hat. Wer Hypnotic Pattern spielt, kauft eine Aktion, nicht die Kontrolle über deren Auflösung.
Die Speaker wirken jede Runde neu
Frage: „Do the Speakers reapply Rushed and Slowed every round?“
Antwort: „Yes, they do.“
Die Speaker verteilen Rushed und Slowed nicht einmalig beim Aufstellen, sondern in jeder Runde erneut. Sie sind damit eine dauerhafte Quelle, kein Startvorteil.
Obake
Intimidating Presence greift nur beim Betreten
Drei Fragen zu einer Fähigkeit, und alle drei Antworten grenzen sie ein. Intimidating Presence verlangt einen Test, wenn sich ein Gegner in Reichweite 1-2 hineinbewegt. Der Streit geht darum, wann sonst noch.
Beim Weggehen? Nein.
Frage: „Suppose I move into range of Obake’s Intimidating Presence and pass the Brawn test, but she uses her Switch to move adjacent to me. Do I then have to pass another Brawn test to move away from her?“
Antwort: „No, you must pass the test from Intimidating Presence only when you are entering moving, not moving away. You’ll have to test as you do every time you try to disengage.“
Wer den Test beim Betreten bestanden hat, darf danach wieder gehen, ohne erneut anzutreten. Das gilt auch, wenn Obake sich über ihren Switch neben ihn gestellt hat. Der normale Disengage-Test fällt davon unberührt weiter an, aber das ist eine andere Regel.
Wenn Obake sich bewegt? Nein.
Frage: „If Obake moves within Range 2 of my character, does my character have to make a Brawn test?“
Antwort: „No. She is the one moving, not you.“
Bei Bewegung innerhalb der Reichweite? Nein.
Frage: „What happens if my character moves while remaining within Range 2 of her?“
Antwort: „Nothing. You don’t have to pass a Brawn test while you’re within Range 2.“
Damit bleibt genau ein Zeitpunkt übrig: der Eintritt in Reichweite 1-2 aus eigener Bewegung. Alles andere ist frei. Das macht die Fähigkeit berechenbarer, als sie auf der Karte wirkt, und es erklärt, warum Obakes Switch so wertvoll ist. Sie zieht sich an ein Ziel heran, das dabei nichts würfeln muss, und steht dann trotzdem dort.
Valkyrie
Der Kollisionswürfel gilt auch neben dem Ziel
Charge of the Valkyrie gibt einen zusätzlichen orangen Würfel, wenn Valkyrie über Approach 1 kollidiert. Steht das Ziel bereits daneben, scheint Approach 1 unmöglich. Fällt der Bonus damit weg?
Frage: „If I am already adjacent to the target and cannot perform Approach 1, do I still gain the bonus dice for a collision?“
Antwort: „Yes, you do. From the rules: ‚You may approach an adjacent target, if you do you will automatically collide.‘“
Der Bonus bleibt. Ein angrenzendes Ziel darf angenähert werden, und die Kollision tritt dabei automatisch ein. Für die Rechnung heißt das: Der dritte Würfel im Nahkampf ist kein Glücksfall, sondern der Normalfall.
Wisteria
Rampant Growth stapelt
Frage: „Does Wisteria’s passive ability stack?“
Antwort: „Yes.“
Ab Runde 2 gibt ihre Passive einen blauen Würfel auf alle Würfe, ab Runde 4 einen weiteren. Die Frage war, ob der zweite den ersten ersetzt. Tut er nicht. Ab Runde 4 sind es zwei.
Afara
Afara ist männlich
Diese Antwort besteht aus zwei Wörtern und hat hier die meiste Arbeit ausgelöst.
Frage: „Is Afara female? The character’s appearance gives a different impression.“
Antwort: „He’s male.“
Der offizielle Hintergrundtext nennt kein Geschlecht, und das Artwork wurde hier falsch gelesen. In der Folge stand Afara in diesem Blog durchgehend als „sie“, vom Core-Guide bis in die Szenarienartikel. Dreiundzwanzig Stellen in zehn Dateien sind daraufhin korrigiert worden.
[!info] Warum das keine Kleinigkeit ist
Ein falsches Pronomen ist kein Regelfehler, es ändert keine Zahl und keine Entscheidung am Tisch. Es zeigt aber, wie eine Annahme sich festsetzt: Einmal beim ersten Guide getroffen, danach in jedem weiteren Artikel übernommen, und nirgends geprüft, weil es nichts gab, wogegen man hätte prüfen können. Belegt war die Sache in keine der beiden Richtungen.
Taktiken
Wer passt, bleibt dabei
Zum Schluss eine Frage aus der Ablaufmechanik. Beide Spieler passen in einem Taktik-Fenster nacheinander. Darf der erste es sich danach noch anders überlegen?
Frage: „What happens when both players pass? Does play immediately proceed, or can the first player change their mind and play a Tactic after both have passed? There was this old Aristeia! article about tactics…“
Antwort: „When both players pass sequentially in a Tactics window, play immediately proceeds to the next step, and the first player cannot change their mind to play a Tactic after both have passed“
Nein. Das Fenster schließt sofort, und das Spiel geht weiter. Wer eine Taktik halten will, muss das Fenster offenhalten, indem er spielt, nicht indem er wartet.
Was davon wirklich zählt
Vier der zwölf Antworten stehen in keinem Regelheft und lassen sich aus den Karten nicht herleiten: dass die Passiven unter Hypnotic Pattern aktiv bleiben, dass die Speaker jede Runde neu wirken, dass Wisterias Passive stapelt, und dass Afara männlich ist.
Drei weitere klären Fälle, in denen zwei Regeln aneinandergeraten. Zustände, die sich widersprechen, und ein Angriff, der eine Bewegung voraussetzt, die nicht möglich ist. In allen drei Fällen fällt die Antwort großzügig aus.
Der lehrreichste Fall ist dabei Marked gegen Blinded. Die Regel steht im Reference Guide vollständig da, auf einer Seite, in zwei aufeinanderfolgenden Einträgen. Sie wird trotzdem oft falsch gelesen, weil „blind“ im Alltag nach Entfernung klingt und nicht nach Sichtlinienprüfung.
Bilder & Karten: Corvus Belli
Dieser Artikel wurde mit Hilfe von KI erstellt.



